SD31 08, 2017 – Listen The Album 'Don't Believe What You Think'

»SECRETS«

DE/EN »Und dann waren wir wieder drei«, kommentiert Cyrus Alamouti, Sänger, Bassist, Gründer und Produzent von Stone Diamond, den Weggang von Gitarrist Marc Schäfers. Als Trio ist die Kölner Formation 2013 an den Start gegangen. 2019 vollenden sie die Arbeit an dem vierten Album »Secrets« wieder in der klassischen Dreier-Besetzung Gitarre-Bass-Schlagzeug. Namentlich sind neben Cy noch Gitarrist Zaki Kiokakis, in Deutschland aufgewachsener Grieche, der seinem Instrument die irresten Sounds entlockt, und Schlagzeuger Peter Hensen, professioneller Trommler und ein fester Begriff in der hiesigen Bluesszene.

»Die Idee hinter »Secrets« war ziemlich einfach: Wir wollten die Magie wieder einfangen, die entsteht, wenn Menschen miteinander Musik machen – und das haben wir geschafft in einem abgelegenen, kultigen Studio in den belgischen Ardennen.«

Cyrus ist eine imposante Erscheinung – groß, raumgreifend, tiefe Stimme, entwaffnendes Lachen, halb Pole, halb Perser, geboren und aufgewachsen in Deutschland. Cy, wie ihn Freunde nennen, kriegt den Spagat hin zwischen seiner bürgerlichen Existenz als Zahnarzt und Leiter eines Praxis-Zentrums und dem Leben eines Musikers. Er hat mit Davin Enterprises nicht nur ein eigenes Label, sondern produziert auch das Künstlerkollektiv »Chill Out Cologne«, deren Lounge-Konzerte und Veröffentlichungen. Aber das ist eine andere Geschichte.

»We Stole The Stars From The Black Night«, das Debüt von Stone Diamond, stammt aus dem Jahr 2013. Die Ausrichtung: Rockmusik mit starken Pop-Bezügen und gelegentlichen Anleihen bei Soul und Gospel. Zwei Jahre später dann das Album »Phoenix«, wo es schon eine Ecke härter zur Sache geht – weniger ›Featuring‹-Gastspiele, weniger Experimente, mehr Konzentration aufs Wesentliche. Das gilt noch mehr für das 2018 veröffentlichte Album »Don’t Believe What You Think«: Fetziger Power-Pop mit Metal-Kanten, Ohrwurm-Melodien unterlegt mit überdrehten psychedelischen Gitarren, Rock-Kracher mit sphärischen Unterströmungen. Und in diesem musikalischen Koordinatensystem bewegt sich das Trio auch bei der Produktion von »Secrets«.

»Es gibt kein Standard-Procedere, kein Schema F fürs Songwriting und die kreativen Abläufe. Ich nehme häufig Melodie-Fetzen oder Textzeilen mit meinem Mobiltelefon auf, dann probiere ich die in meinem Home Studio aus und stelle sie als Rohling der Band vor. Zaki geht dann mit seinem harmonischen Verständnis an die Sache, Pete schlägt einen Rhythmus vor. Er ist die Groove-Maschine! Wir merken dann beim Proben sehr schnell, ob sich da was entwickelt oder nicht…«

In der Abgeschiedenheit der Gam Recording Studios ›in the heart of the Ardennes‹, wo schon Marvin Gaye, Chet Baker, BAP oder die Toten Hosen aufgenommen haben, entstand ein Album, das unterschiedlichste Genre-Elemente zu einem großen, wild-harmonischen Ganzen vereint. Wohlfühl-Melodien, heftige Riffs, atmosphärische Sounds, funky Grooves, sanfte Balladen, hintersinnige Texte, Rock gnadenlos … Alles ist möglich, nur bitte keine Schubladen.
Unterstützt u.a. von Ex-Kollege Marc Schäfers, der noch auf fünf Titel zu hören ist, Perkussionist Rhani Krija (Sting, Sarah Connor, Xavier Naidoo), Tobias Weidinger (Trompete) und Michael Theissing-Tegeler (Posaune) von der Seeed-Bläsersektion sowie Dirk Schaadt an Hammond B3 und anderen Tasten-Instrumenten hat das Trio einen Klangkosmos geschaffen, wo es nicht nur höllisch abgeht, sondern Gefühl und Härte eine höchst turbulente Beziehung eingehen.

»Immer, wenn wir das Gefühl hatten, jetzt wär’s Zeit, sind wir ins Studio und haben aufgenommen. Das war eine Luxussituation. Zusammen leben, zusammen einkaufen und kochen, zusammen feiern, zusammen Musik machen – »Secrets« ist aus eben diesen Gründen ein sehr ehrliches Album geworden und gibt wieder, wo Stone Diamond gerade steht!«

Man wünscht sich für »Secrets« die guten alten Zeiten zurück, als man noch mit teuren Plattenspielern, teuren Tonarmen auf teuren Hi-Fi–Anlagen das Sounddesign studieren und genießen konnte – so z.B. die Peitschenschläge von den Drums, trocken und volltönend, Gitarren scharfkantig, ruppig oder elektrisch überdreht, schwelende Orgel-Klänge, metallisch aufblitzende Bläser-Attacken, die Stimme, mal dunkel und beschwörend, mal druckvoll, mal sanft. Es ging den Akteuren darum, die Magie der Siebziger und Achtziger Jahre wieder aufleben zu lassen. Da war die WG-Situation im Gam Studio das optimale Arbeitsklima. »Lodging for 8 persons« heißt es auf der Studio-Website … welcome back to the brave old world of recording.

Wie gut diese Arbeitsweise funktioniert hat, belegen die acht Songs, die es auf »Secrets« geschafft haben. Da ist das breitbeinig groovende »Hey Luise« mit feschen Bläsern und Mitsing-Refrain, das hymnische »Oh Lord« mit seinem ohrwurmigen Hook, das atmosphärisch dichte »I Am Tomorrow«, ein Song, der hinten raus eine starke Sogwirkung entwickelt. »Don’t let anyone tell you how to live« heißt es in der vom Klavier getragenen Ballade »Anyone« mit feinen Gitarrenspitzen, wunderbarem Huhu-Chor und … ohne Beats.

»Secrets« ist das vierte Album des Kölner Trios Stone Diamond. Läuft!